Songs auf Knopfdruck: Die Musik-KI, die alle begeistert
Was Suno kann – und was Sie dabei beachten müssen
Es gibt in meinen KI-Kursen nichts, das die Teilnehmer:innen so sehr erstaunt (und meistens begeistert) wie die Musik-KI Suno. Egal, was ich sonst vorzeige: interaktive Apps mit Gemini, Moodboards mit Claude, individualisierte Podcasts mit NotebookLM oder ansprechende Präsentationen mit Gamma – nichts scheint mit Suno mithalten zu können. Trotzdem haben die wenigsten dieses Tool am Schirm. Und noch weniger können effektiv und verantwortungsvoll damit umgehen. Sehen wir es uns also etwas näher an.
Was ist Suno und wie funktioniert es?
Suno ist eines von mittlerweile einigen KI-Tools, die mit Musik trainiert wurden, um Musik erzeugen zu können. Dass es dabei nicht immer ganz sauber zugegangen ist und das zu rechtlichen Problemen für Nutzer:innen führen kann, sehen wir uns später noch an.
Die Nutzung ist eigentlich ganz leicht, auch wenn die Oberfläche zuerst nicht intuitiv wirkt. Wir starten im Hauptmenü und klicken in der linken Seitenleiste auf „Create“.

Auf der linken Hälfte der Seite sehen Sie nun den Bereich, in dem Sie alles einstellen, um einen Song zu erstellen.

Gehen wir die Optionen Schritt für Schritt durch, von links oben nach rechts unten.
Credits (Music-Icon und eine Zahl): Diese Zahl zeigt an, wie viele Songs Sie erzeugen können. Wie viele Credits Sie haben und verbrauchen, hängt davon ab, ob Sie für Suno zahlen und was Sie damit machen.
Simple und Advanced: Im einfachen Modus beschreiben Sie das Lied („Song Description“) und prompten es so. Im fortgeschrittenen Modus kommen Optionen dazu: Sie können die Lyrics selbst wählen, ein paar Einstellungen zu Stimme und Stil vorgeben und dem Song einen eigenen Titel geben. Ich selbst nutze ausschließlich den Advanced-Modus. Mehr zu meinem Workflow gleich.
Modellauswahl: Im Dropdown-Menü wählen Sie, welches Modell Sie verwenden. Welche zur Verfügung stehen, hängt davon ab, ob Sie die Gratis- oder die Bezahlversion nutzen. Aktuell steht v4.5-all für nicht zahlende Nutzer:innen zur Verfügung; das neueste Modell ist bereits ein gutes Stück weiter.
Audio: Hier laden Sie ein bereits existierendes Lied (aus der Suno-Bibliothek) oder eine eigene Aufnahme hoch, um sie als Basis für ein neues Lied zu verwenden. Das ist spannend für Musiker:innen, die zwar ein Instrument spielen, aber keine Band haben oder nicht singen. Aus einer eigenen Idee wird so ein ganzer Song, der professionell klingt.
Voice: Hier laden Sie eine Aufnahme Ihrer Stimme hoch, damit sie für die generierten Songs verwendet wird. Diese Funktion liegt hinter der Paywall. Spannend für Leute, die singen können, aber kein Instrument spielen, und für Leute, die leidenschaftlich gern singen, sich dabei aber anhören, als würde ein Vogel verrecken. So wie ich.
Inspo: Diese Funktion nutzt eine Sammlung bereits generierter Songs (von Ihnen selbst oder aus der Suno-Community), um neue Songs in einem ähnlichen Stil zu erzeugen.
Lyrics: Hier geben Sie den Songtext ein, den Suno vertonen soll. Das geht nur in Advanced; in Simple erzeugt Suno den Text selbst. Alternativ klicken Sie auf „Instrumental“, um ein Lied ohne Gesang zu erstellen.
Styles: Hier beschreiben Sie den Song möglichst detailliert: Genre, Tempo, Feeling, Instrumente, Stimme(n), Struktur und so weiter. Je genauer, desto besser. Aber die Zeichenanzahl ist begrenzt, weshalb stichwortartige Beschreibungen besser funktionieren als ganze Sätze.
More Options: Hier finden sich Zusatzeinstellungen, etwa welches Gender die Stimme haben soll, wie „weird“ (also merkwürdig) der Song klingen darf und wie stark der „Style Influence“ ausfällt, also wie konsequent Suno Ihre Stilbeschreibung umsetzt.
Song Title: Hier geben Sie dem Song einen Namen. Auch das geht nur in Advanced.
Save to – Workspace: Wer viel mit Suno arbeitet, kann unterschiedliche Workspaces anlegen und neu generierte Songs einem dieser Bereiche zuordnen.
Sie müssen nicht alles davon nutzen. Ich gebe die Lyrics vor, beschreibe den Style und wähle einen Titel. Mehr nicht.
Sobald Sie alles Relevante eingegeben haben, klicken Sie auf „Create“, und schon werden zwei Varianten des Songs erstellt. Das ist immer so. Beide haben denselben Text und einige Ähnlichkeiten, unterscheiden sich aber doch voneinander, sodass Sie auswählen können, was Ihnen besser gefällt. Aktuell kommt es auch oft vor, dass Suno in der Gratisversion zusätzlich zu den beiden v4.5-Songs noch zwei kürzere Varianten mit dem neuesten Modell (aktuell v5.5) erzeugt, um Sie von der Bezahlversion zu überzeugen. Und man muss wirklich sagen: Während v4.5 schon beeindruckend ist, spielt das neueste Modell in einer ganz anderen Liga.
Da ich aktuell keine Bezahlversion habe, kann ich hier keinen Song mit dem neuesten Modell einbetten. Stattdessen verlinke ich einen, den Sie sich auf Suno anhören können. Das Lied habe ich in einer KI-Schulung für Lehrpersonen erzeugt; es ist ein Lernlied für den Englischunterricht zum Thema „Present Continuous“ im Reggaeton-Stil: https://suno.com/s/Rgzxd9zhQE6nwBS1 (Ich halte daran keine kommerziellen Rechte. Sie dürfen es sich anhören, aber nicht kommerziell nutzen.)
Und hier zwei Songs, die ich erzeugt habe, als ich noch die Bezahlversion hatte (damals erstellt mit v5) und an denen ich die exklusiven, kommerziellen Rechte halte:
Wenn ich könnte (Konjunktiv-Deutschrap):
Deal des Lebens (Kaufvertrag-Salsa)
Es gibt in Suno übrigens auch die Möglichkeit, Songs zu editieren, aber diese Möglichkeit sehen wir uns hier nicht näher an. Für die meisten ist diese Funktion nicht ganz so relevant.
Mein Suno Workflow
Da ich kein Musiker bin – meine Schlagzeuger-Karriere liegt schon lang hinter mir – geht es mir nicht darum, mit KI musikalische Kunst zu schaffen. Mir geht es um pragmatische Songerstellung: Ich nutze die Songs einerseits als Lernmaterial, also als eingängige Lernlieder, und andererseits als Hintergrundmusik für Videos, etwa Social-Media-Clips oder E-Learning-Content.
Weil mir aber die Expertise fehlt, beeindruckende Lieder selbst zu schreiben und zu beschreiben, lasse ich mir von einer anderen KI helfen. Mein Workflow startet also in einem Chatbot wie Claude, ChatGPT oder Gemini.
Dort erkläre ich dem Chatbot, dass ich mit Suno ein Lied erzeugen möchte, und bitte um Hilfe beim Songtext und der Songbeschreibung. Dafür nutze ich einen Prompt wie diesen:
Ich möchte mit der Musik-KI Suno einen Song erstellen und brauche dafür Songtext und Songbeschreibung, bei denen du mir hilfst.
Worum es geht: [THEMA ODER ZWECK, z. B. „ein Lernlied über den Wasserkreislauf“ oder „ein Werbejingle für meine Bäckerei“].
Genre: [GENRE]. Sprache: [SPRACHE]. Stimmung: [z. B. fröhlich, melancholisch, energiegeladen]. [SONSTIGE VORGABEN]
Bitte erzeuge mir zweierlei: erstens einen Songtext, zweitens eine stichwortartige Songbeschreibung (Tempo, Genre, Vocals, Instrumente, Stimmung … – maximal 1000 Zeichen). Ich teile beides mit Suno, um den Song dort zu generieren.
Verwende im Songtext keine Abkürzungen (z. B. RGB, EU, KI), weil Suno Probleme hat, diese korrekt auszusprechen. Schreibe sie bei Bedarf aus.
Stelle mir bei Bedarf vorab alle Rückfragen, die ich dir beantworten soll, damit du diese Aufgabe bestmöglich erledigen kannst.
Kopieren Sie sich den Prompt, ersetzen Sie die Wörter in Klammern durch Ihren Kontext, ergänzen Sie bei Bedarf weitere Informationen und schicken Sie ihn ab.
Dann lese ich mir das Ergebnis durch und gebe der KI bei Bedarf Rückmeldung, um eine bessere Version zu bekommen. Oder ich lege selbst Hand an und überarbeite die Beschreibung.
Das fertige Ergebnis gebe ich bei Suno ein und lasse zwei Songs generieren. Meist ist das Ergebnis schon brauchbar. Falls nicht, gehe ich zurück zum Chatbot und teile mein Feedback: Was hat funktioniert, was nicht, was gefällt mir, was nicht – und warum? Mit dieser Rückmeldung passt der Chatbot Text und Beschreibung an, und ich probiere es noch einmal.
Was ist bei Suno zu beachten
Wie bei jedem KI-Tool gibt es auch bei Suno einiges zu beachten. Für die meisten von uns sind vor allem zwei rechtliche Dinge relevant: Urheberrecht und Nutzungsrecht. Ich habe zu beidem einen eigenen Artikel geschrieben, den ich unten verlinke. Hier daher nur das Wichtigste für den konkreten Umgang mit Suno.
Urheberrecht
Beim Urheberrecht haben wir zwei Probleme.
Erstens wurde Suno mit urheberrechtlich geschützten Daten trainiert, die nicht ins Training hätten einfließen dürfen. Wenn Sie einen Song erzeugen, kann es also immer passieren, dass gegen geltendes Urheberrecht verstoßen wird. In der Praxis bedeutet das drei Dinge:
Laden Sie keine urheberrechtlich geschützten Daten in Suno hoch. Also nicht den Ausschnitt eines Avicii-Songs über die Audio-Funktion einspielen und nicht einen Green-Day-Songtext in einem anderen Genre neu vertonen lassen.
Verwenden Sie in Ihrer Songbeschreibung keine Bezüge zu Interpret:innen, deren Werk noch urheberrechtlich geschützt ist. Schreiben Sie also nicht „im Stil von Timmy Trumpet“. „Im Stil von Mozart“ geht in Ordnung, weil dessen Werke gemeinfrei sind.
Verwenden Sie keine von Suno generierten Songs, die klar nach geschützten Interpret:innen klingen. Klingt ein Lied wie eines von Linkin Park, dann nutzen Sie es nicht. Hier hat das Modell eine Urheberrechtsverletzung produziert.
Zweitens stellt sich die Frage, ob Sie selbst ein Urheberrecht genießen, wenn Sie ein Lied mit Suno erstellen. Das ist gar nicht so leicht zu beantworten. In der EU braucht es zwei Dinge, damit Sie Urheberrecht beanspruchen können: Das Werk muss von einem Menschen stammen, und es muss genug schöpferische Eigenleistung aufweisen.
Haben Sie Ihre eigene Stimme hochgeladen, den gesamten Songtext selbst verfasst, die Beschreibung selbst formuliert und das Lied im Nachhinein bearbeitet, dann liegt das Urheberrecht eindeutig bei Ihnen. Lassen Sie hingegen alles von einer KI machen, so wie in meinem Workflow, dann steckt meiner Einschätzung nach nicht genug Eigenleistung darin, und es besteht kein Urheberrecht. Schlagen Sie einen Mittelweg ein, etwa Songtext selbst geschrieben, Beschreibung von der KI erstellt, bewegen Sie sich in einem unklaren Graubereich. Genau deshalb äußert sich Suno in den Nutzungsbedingungen zum Urheberrecht auch nicht wirklich.
Nutzungsrechte
Wenn Sie keine Künstlerin oder kein Künstler sind und das Urheberrecht am Song daher nicht zwingend brauchen, sollten Sie sich zumindest mit dem Nutzungsrecht beschäftigen. Hier geht es um die Frage, ob und unter welchen Umständen Sie die generierten Songs verwenden dürfen. Dabei unterscheiden sich Gratis- und Bezahlversion deutlich.
In der Gratisversion haben Sie die nicht-exklusiven, nicht-kommerziellen Rechte. Ich kann einen Suno-Song also in nicht-kommerziellen Settings vorspielen, etwa als Lehrperson im Unterricht, muss aber darauf hinweisen, dass er mit Suno erstellt wurde. Was ich in diesem Fall vermeiden sollte: den Song mit den Schüler:innen zu teilen. Technisch ist das möglich, und die Share-Funktion von Suno legt es einem auch nahe. Aber es kann passieren, dass die Schüler:innen den Song auf TikTok hochladen, und damit wird die Nutzung plötzlich kommerziell.
In der Bezahlversion haben Sie die exklusiven, kommerziellen Rechte und können damit machen, was Sie wollen, solange Sie kein fremdes Urheberrecht verletzen. Achten Sie trotzdem darauf, wo Sie den Song verwenden. Sie können Suno-Songs grundsätzlich auf Instagram, Spotify und YouTube hochladen, aber jede dieser Plattformen hat eigene Regeln für KI-generierte Inhalte, auch wenn Sie die kommerziellen Nutzungsrechte besitzen.
Mehr zum Thema Urheber- und Nutzungsrechte finden Sie in diesem Artikel von mir:
Urheber- und Nutzungsrechte im KI-Kontext
Dass KI-Tools wie ChatGPT, Midjourney und Suno kinderleicht zu nutzen sind, ist nicht nur einer ihrer großen Vorteile, sondern auch eine ihrer größten Herausforderungen. Denn durch die einfache Nutzung treten viel zu leicht Fehler auf. Oft sind es Fehler, die uns gar nicht bewusst sind.
Praktische Anwendungen
Für viele ist Suno eine nette Spielerei. Ich sehe in der Praxis aber sehr viel Anwendungspotenzial. Wichtig ist mir dabei ein Punkt: Ich finde es nicht gut, wenn Suno und ähnliche KI-Tools die Arbeit von Künstler:innen ersetzen. Aber nicht jeder Einsatz schadet realen Künstler:innen. Wenn ich ein Lernlied mit KI erstelle, ist das eine Bereicherung, denn ich hätte es nie selbst gemacht und nie jemanden dafür beauftragt. Nutze ich als frischgebackener Selbstständiger Suno für die Hintergrundmusik eines Instagram-Videos, weil ich mir die Lizenzgebühren für ein menschliches Lied nicht leisten kann, ist das auch in Ordnung. In beiden Fällen nehme ich niemandem etwas weg, sondern schaffe etwas, das sonst nicht entstanden wäre. Erzeugt hingegen eine große, profitable Firma ihre Werbe-Jingles künftig mit Suno, statt Musiker:innen zu beauftragen, sehe ich das sehr wohl problematisch.
Sehen wir uns für zwei Bereiche – Unternehmen und Schule – ein paar Use Cases an.
Im Unternehmen
Das Potenzial liegt überall dort, wo individuelle Musik gebraucht wird, eine professionelle Produktion aber nicht im Budget liegt. Ein kleines Unternehmen, das sich keine Komponist:innen und keine Lizenzgebühren leisten kann, bekommt mit Suno trotzdem einen eigenen Klang.
Das fängt beim Werbejingle an. Statt einen generischen Stock-Track unter den nächsten Radiospot oder das nächste Reel zu legen, lässt sich ein Jingle erzeugen, der zur Marke passt – mit dem Tempo, der Stimmung und vielleicht sogar dem Produktnamen im Text. Ähnlich sieht es bei Hintergrundmusik für Videos aus, die online laufen, etwa auf Instagram, YouTube oder LinkedIn. Gerade wer regelmäßig Content produziert, kennt das Problem mit lizenzfreier Musik: Dieselben paar Tracks tauchen in tausenden Videos auf. Mit Suno bekommt jedes Video seinen eigenen Sound.
Es muss auch nicht immer der Bildschirm sein. Hintergrundmusik, die in den eigenen Räumen läuft – im Wartebereich einer ärztlichen Praxis, einem Fitnessstudio oder einem Geschäft – muss korrekt lizenziert sein, sonst wird es teuer. Eigens erzeugte Songs lösen dieses Problem und prägen nebenbei die Atmosphäre des Ortes.
Und schließlich lässt sich Suno für die Beziehung zu Kund:innen oder Geschäftspartner:innen einsetzen. Ein individueller Song zum Abschluss eines Projekts, zum Firmenjubiläum eines Partner-Firma oder als Aufhänger in einem Meeting bleibt im Kopf. Solche kleinen Gesten sind oft wirkungsvoller als ein weiteres Werbegeschenk, weil sie persönlich und unerwartet sind.
In der Schule
Auch in der Schule gibt es viele Einsatzszenarien. Drei davon möchte ich kurz beschreiben: Lernsongs, Suno im Musikunterricht und Schulwerbung.
Lernsongs
Mit Suno generierte Lernsongs setze ich sehr gerne im Englischunterricht ein, weil sie dort gleich mehrere Vorteile haben.
Der Song erklärt den Inhalt selbst, in der Zielsprache: wie eine Grammatik-Struktur funktioniert, was eine Vokabelgruppe bedeutet, wie eine Regel lautet. Im Sprachunterricht kann der Song das, was er erklärt, gleich vormachen. Er erklärt dann nicht nur, wie Present Continuous funktioniert, sondern verwendet die Form im Songtext auch durchgehend.
Außerdem lässt sich der Song als Übungsmaterial nutzen. Das hat mein eigener Englischlehrer vor Jahren bereits gemacht, und ich erinnere mich noch gut und gern daran: Er druckte die Lyrics aus und verwandelte sie in Übungen, etwa einen Lückentext. Wir hörten das Lied mehrfach an und füllten die Lücken aus. Der Vorteil mit Suno besteht darin, dass der Inhalt und Songtext gezielt für die jeweilige Unterrichtssituation angepasst werden kann.
Man kann den Song auch zu Beginn jeder Stunde einsetzen und gemeinsam mit den Schüler:innen singen. Ein guter Lernsong begeistert und ist eingängig. Im Idealfall brennt er sich ein und wird zum Ohrwurm. Wer weiß, vielleicht summen die Schüler:innen bei der Schularbeit das Lied, um sich an die Regeln des Present Continuous zu erinnern?
Und selbst wenn die Schüler:innen ihn als „cringe“ empfinden, reden sie darüber: „Hat der Freinhofer bei euch auch diesen idiotischen Song vorgespielt?“ oder „Hast du schon den neuen Cringe-Song vom Freini gehört? Nein? Hier, ich zeig ihn dir.“ (Ja, ich wurde von meinen Schüler:innen tatsächlich „Freini“ getauft.) Und schon hören sich die Schüler:innen das Lied außerhalb des Unterrichts an. Nicht obwohl, sondern gerade weil es ein bisschen cringe ist.
Das funktioniert natürlich auch in anderen Fächern. In KI-Schulungen habe ich Lernsongs in Biologie zum Verdauungstrakt, in Unternehmensführung zu Organisationsstrukturen und in Gartenbau zu heimischen Baumarten erstellt.
Suno im Musikunterricht
In KI-Schulungen für Lehrpersonen sind die meisten von Suno begeistert. Es gibt aber immer wieder kritische Stimmen, meistens von Musiklehrer:innen. Ich kann die ablehnende Haltung nachvollziehen. Und trotzdem gibt es Einsatzmöglichkeiten, die menschliche Musik nicht abwerten, sondern im Gegenteil das Interesse an Musik wecken und das musikalische Wissen und Gespür der Schüler:innen fördern.
Dazu eine Möglichkeit, die uns Suno neu eröffnet. Der Lehrplan gibt vieles vor, das für die Schüler:innen keinen unmittelbaren Lebensweltbezug hat. Sie interessieren sich eher für Deutschrap, K-Pop, Reggaeton oder Hardstyle als für Klassik oder Jazz. Doch moderne Genres kommen nicht aus dem Nichts. Sie lassen sich oft direkt auf ältere Musikrichtungen zurückführen oder übernehmen Elemente von ihnen. Und egal um welches Genre es geht, alle bauen auf denselben Bausteinen auf. Ob Mozart oder Avicii, ob Louis Armstrong oder Gigi D’Agostino: Alle transportieren Gefühle wie Euphorie oder Trauer mit ähnlichen Mitteln, durch Dur und Moll, durch Tempo und Dynamik. Mit Suno können wir diese Mittel greifbar machen, ohne dass die Schüler:innen selbst singen oder ein Instrument spielen müssen. Ich kann mein theoretisches Wissen über A-Dur sprachlich in einen Prompt übersetzen und damit ein passendes Musikstück erzeugen.
Daraus ergeben sich zwei konkrete Einsatzmöglichkeiten.
Erstens können wir Dinge verbinden, die auf den ersten Blick nicht zusammenpassen, etwa Klassik und Hardstyle oder Jazz und K-Pop. Solche Fusionen gibt es übrigens auch außerhalb des Klassenzimmers; ich selbst bin großer Fan von Josh Vietti, der Klassik mit Pop, Rap und EDM verbindet. Mit Suno können die Schüler:innen solche Verbindungen selbst schaffen, die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Genres herausarbeiten und ausprobieren, was passiert, wenn ein Element aus einer Richtung in eine andere wandert.
Zweitens können wir versuchen, einen Song in einem bestimmten Genre zu erstellen, ohne das Genre beim Namen zu nennen. Will ich einen Tropical-House-Song, müsste ich entweder „Tropical House“ in den Prompt schreiben oder auf Kygo, Robin Schulz, Lost Frequencies, Felix Jaehn oder Avicii verweisen, was ich aus den oben genannten Gründen nicht darf. Integriere ich die Nutzung von Suno in den Unterricht, verbiete arbeite diese beiden Verweise in den Prompts, müssen sich die Schüler:innen das Genre erst erschließen: Was sind seine Merkmale? Welche Instrumente, welche Techniken, welche typischen Entscheidungen prägen es? Die Lernenden eignen sich also Musiktheorie an, um sie über Suno in die Praxis zu überführen. Wie beschreibe ich Tempo, Instrumente und Tonart, damit am Ende wirklich Tropical House herauskommt und nicht Trap House oder sogar Hard Rock?
Dabei rückt der gesamte Entstehungsprozess in den Vordergrund: Welche Stilbeschreibungen wurden wie und warum formuliert? Wie war das Zwischenergebnis? Was hat gepasst, was nicht, und warum? Was wurde adaptiert? Welche Probleme traten auf, wie wurden sie gelöst? Wie sieht das Endprodukt aus, und wie ging es den Lernenden dabei?
So eingesetzt führen Suno und Co. nicht zum Untergang von Musik als Kulturtechnik, sondern zu einem neuen Zugang zu ihr.
Schulwerbung
Ein dritter Einsatzbereich ist die Schulwerbung. Ein Imagefilm für den Tag der offenen Tür, ein kurzes Reel für den Instagram-Auftritt der Schule, ein Video für die Website: Solche Produktionen kosten Zeit und Geld. Beides ist eine knappe Ressource in den Schulen. (Und es stellt sich generell die Frage, ob es die Aufgabe von Lehrpersonen ist, Marketing zu betreiben, wofür sie nicht ausgebildet sind und nicht bezahlt werden, nur weil das Schulsystem zu knausrig ist und nicht genug Assistenzpersonal einstellt?) Die passende Musik dazu ist oft das letzte Glied in der Kette und entweder lizenzpflichtig oder generisch. Mit Suno lässt sich ein eigener Track erzeugen, der zum Ton der Schule passt, nicht nach Stockmusik klingt und (zumindest in der Bezahlversion) rechtlich sauber nutzbar ist. Das hebt ein Schulvideo spürbar von anderen ab, und nebenbei kann die Produktion zum Projekt im Unterricht werden, an dem die Schüler:innen selbst mitwirken.
Alternative KI-Tools
Suno ist natürlich nicht das einzige Tool, das Songs erzeugen kann. Die wichtigsten Alternativen, ohne dass ich näher auf sie eingehe, denn Suno ist nach wie vor die Nummer 1:
Lyria von Google, integriert in der Bezahlversion von Gemini.
Udio, direkt auf udio.com/
ElevenMusic von ElevenLabs, auf elevenmusic.io/
Fazit
Suno ist eines jener Tools, das in Kursen zuverlässig für offene Münder sorgt – und das zu Recht, denn die Ergebnisse sind beeindruckend. Aber zwischen „beeindruckend“ und „effektiv und verantwortungsvoll genutzt“ liegt ein gutes Stück Weg. Wer Suno einsetzt, sollte zwei Dinge mitnehmen: Erstens, dass Urheber- und Nutzungsrecht keine Formalität sind, sondern darüber entscheiden, ob man einen Song überhaupt verwenden darf. Zweitens, dass der sinnvollste Einsatz dort liegt, wo sonst gar keine Musik entstanden wäre – beim Lernsong, beim Schulvideo, beim Jingle des kleinen Betriebs.
Wenn Sie Suno bisher nur als Spielerei am Schirm hatten, probieren Sie es einmal mit einer konkreten Aufgabe aus. Nehmen Sie etwas, das Sie ohnehin vertont haben wollten, und schauen Sie, wie weit Sie kommen. Wahrscheinlich überrascht Sie das Ergebnis. Und falls Sie einen Lernsong erstellen: Seien Sie nicht beleidigt, wenn Ihre Schüler:innen ihn cringe finden. Das sagt noch nichts über seinen Lerneffekt aus.


Während ich dir zwar grundsätzlich zustimme, dass die rechtliche Lage schwierig ist (was ja nicht nur auf Sunp zutrifft), stimmt der erste Punkt so nicht (mehr). Suno schreibt in seinen FAQ: "If you cancel your subscription, you continue to enjoy the right to use content generated while you were actively subscribed for commercial use in perpetuity." Man verliert die Rechte also nicht.
Dass viel Trainingsmaterial gestohlen wurde, will ich gar nicht abstreiten. Dass sämtliches Material gestohlen wurde, stimmt so nicht. Denn es gibt sehr viel gemeinfreie Musik und manches wurde auch für Suno lizenziert. Ich möchte die KI-Firmen nicht verteidigen. Mir geht es nur darum, die Diskussionen rund um KI objektiv zu halten und differenziert zu betrachten. Pauschalurteile bringen uns nicht weiter.
In welcher Audio Qualität werden die Stücke den geliefert?